Designerin: Charlotte Perriand

Charlotte Perriand (1903–1999) war eine französische Architektin und Designerin, die zu den prägenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zählt. Als langjährige Mitarbeiterin von Le Corbusier und Pierre Jeanneret beeinflusste sie maßgeblich das moderne Möbeldesign. Sie kombinierte industrielle Fertigung mit funktionaler Klarheit und entwarf Möbel, Innenräume und Leuchten, die bis heute als Meilensteine des modernen Wohnens gelten – auch wenn ihre Rolle im Designprozess lange unterschätzt wurde.

Moderne Materialien & industrielle Fertigung
Perriands Arbeiten basieren auf der Idee, dass Design dem Leben dienen soll: klar, modular, materialgerecht. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die gemeinsam mit Le Corbusier und Jeanneret entwickelten Möbelklassiker wie die LC4-Chaiselongue oder der Fauteuil Grand Confort – entstanden Ende der 1920er Jahre, als sie sich bewusst von dekorativen Traditionen abwandte.
In den 1930er bis 1960er Jahren entwarf sie auch eine Reihe von Leuchten, oft als funktionale Begleiter ihrer Innenarchitektur. Besonders bekannt ist die Discus-Lampe, eine Wandleuchte mit rundem Metallschirm, die sie für Projekte wie das Skigebiet Les Arcs in den französischen Alpen entwickelte. Diese und ähnliche Leuchten folgen ihrem Prinzip der Reduktion auf Form, Funktion und Material: Aluminium, Stahlblech, klare Geometrie – alles unter dem Aspekt der Nützlichkeit und Raumanpassung. Viele Modelle hatten verstellbare Reflektoren oder drehbare Gelenke und sollten Licht dorthin bringen, wo es gebraucht wurde – nicht mehr und nicht weniger.

Schlüsselfigur der Moderne
Obwohl sie zentrale Beiträge zum modernen Design leistete, blieb Charlotte Perriand lange Zeit im Schatten ihrer männlichen Kollegen – ihre Autorenschaft an vielen Entwürfen wurde erst spät öffentlich anerkannt. Heute jedoch gilt sie als Pionierin eines sozialen, funktionalen und zugleich ästhetisch anspruchsvollen Designs. Ihre Möbel werden neu aufgelegt, ihre Leuchten wiederentdeckt, ihre Raumkonzepte in Ausstellungen international gewürdigt.
Perriands Werk steht für eine Haltung, die in der Gestaltung nicht Repräsentation, sondern Teilhabe bedeutet. Sie bewies früh, dass Möbel nicht nur Objekte, sondern Teil gesellschaftlicher Räume sind. Eine Haltung, die viele ihrer Entwürfe bis heute relevant macht.