Designer: Gastone Rinaldi
Gastone Rinaldi war einer der prägendsten Protagonisten des italienischen Designs der 1960er und 1970er Jahre. Er verstand es wie kaum ein zweiter, das industrielle Material Stahlrohr in organische, fast schwerelos wirkende Formen zu biegen. Seine Entwürfe sind Inbegriff des Space Age: futuristisch, glänzend und von einer Dynamik geprägt, die den Aufbruchsgeist dieser Ära perfekt widerspiegelt. Rinaldis Möbel sind keine bloßen Einrichtungsgegenstände, sondern skulpturale Statements aus Chrom.
Zwischen Tradition und Avantgarde
Geboren 1920 in Padua, wuchs Gastone Rinaldi im familieneigenen Betrieb Rima auf, einem Unternehmen, das auf die Herstellung von Metallmöbeln spezialisiert war. Diese Herkunft ermöglichte ihm ein tiefes Verständnis für die technische Bearbeitung von Metall. In den 50ern übernahm er die kreative Leitung und begann, die Grenzen des damals Machbaren auszuloten. Rinaldi war ein Visionär, der die italienische Moderne weg von schweren Holzmöbeln hin zu einer luftigen, metallischen Ästhetik führte, die heute weltweit als prägend gilt.
Ikonen aus Chrom: Freischwinger und schwebende Formen
Das Herzstück von Rinaldis Schaffen sind seine Sitzmöbel, insbesondere seine Variationen des Freischwingers. Während klassische Entwürfe des Bauhauses oft streng und rechtwinklig waren, verlieh Rinaldi dem Stahlrohr fließende Kurven.
Fast alle Entwürfe setzen konsequent auf hochglanzpoliertes Chrom. Die Lichtreflexionen auf den filigranen Metallstreben verleihen den Stühlen eine optische Leichtigkeit. Ob als engmaschiges Drahtgitter (wie beim Modell „Sabrina“) oder in reduzierten Stahlrohr-Linien – Rinaldis Freischwinger scheinen im Raum zu schweben. Die geschwungenen Gestelle sorgen für einen sanften Wippkomfort, der Technik und Bequemlichkeit vereint.
Die Geometrie des Tisches: Rund und Zentral
Ergänzend zu seinen Sitzmöbeln entwickelte Rinaldi eine klare Philosophie für den Mittelpunkt des Wohnraums: den Tisch. Ein Rinaldi-Tisch ist fast ausnahmslos rund, um die soziale Interaktion zu fördern und die harte Kante aus dem Raum zu nehmen.
Das auffälligste Merkmal seiner Tische ist die schwebende Optik. Erreicht wurde diese durch markante Zentralfüße, die oft an eine organische Tulpenform erinnern oder aus mehreren, im Zentrum gebündelten Chromstreben bestehen. Dieser zentrale Fuß garantiert maximale Beinfreiheit und unterstreicht den futuristischen Charakter. In Kombination mit Glasplatten wird das Gestell selbst zum Kunstwerk und lässt den Tisch fast transparent im Raum stehen.































