Hersteller: Scheurich
Scheurich ist ein deutscher Keramikhersteller mit Wurzeln in den 1920er Jahren. Das Unternehmen begann als Großhandel für Glas und Porzellan und entwickelte sich ab den 1950er Jahren zu einem der bedeutendsten Produzenten westdeutscher Keramik. Besonders in den 1960er und 70er Jahren war Scheurich für seine dekorativen Vasen mit markanten Glasuren bekannt und trug maßgeblich zur Verbreitung des sogenannten Fat Lava-Stils bei.
Skalierbare Produktion & Fat Lava
Scheurich arbeitete mit hellbrennendem Ton, der mit auffälligen Glasuren in leuchtenden Farben und strukturierten Oberflächen überzogen wurde. Die Formgebung war klar, funktional und häufig modular – viele Modelle wurden über Jahre hinweg in zahlreichen Farb- und Dekorvarianten produziert.
Berühmtheit erlangte Scheurich unter anderem mit der Fat-Lava Brennung. Charakteristisch für die Fat-Lava-Ästhetik sind dickflüssig wirkende, oft kraterartige Glasuren mit starker Struktur und kräftiger Farbgebung. Bei Scheurich wurden diese auf industriell gefertigten Formen aus hellem Ton aufgebracht. Die oft kontrastreiche Glasurverläufe und die raue Oberflächen erinnern an flüssigen Lava und waren so namens gebend.
Ein weiteres Merkmal aller Scheurich-Vasen ist die codierte Kennzeichnung auf der Unterseite. Der typische Zahlencode besteht aus drei Elementen, z. B. „289-47“. Die erste Zahl (hier „289“) bezeichnet das Formmodell und die zweite Zahl (hier „47“) gibt die Höhe in Zentimetern an. Daneben steht meist „W. Germany“ – ein Hinweis auf das Produktionsland während der Nachkriegszeit. Diese Codierung ermöglichte die eindeutige Zuordnung von Form und Größe innerhalb der Serienfertigung und ist heute ein wichtiges Hilfsmittel zur Identifikation von Stücken aus dieser Zeit.
Industrielle Fertigung bis heute
Scheurich ist bis heute als Hersteller von Keramik aktiv und produziert überwiegend Pflanzgefäße und Wohnaccessoires. Und das sogar nach wie vor in Deutschland.
Die Vasen aus der Hochphase des Unternehmens – vor allem aus der Zeit des Fat-Lava-Stils – gelten heute als prägende Beispiele der westdeutschen Nachkriegsmoderne. Ihr charakteristischer Stil, geprägt durch kräftige Farben, plastische Glasuren und serielle Formgestaltung, wird heute vielfach als Sinnbild der westdeutschen Wohnkultur der Nachkriegszeit rezipiert – und als gestalterisches Erbe bewahrt.